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Dienstag, 11 August 2015 12:02

5 Gründe, warum wir Anglizismen und Denglisch in der deutschen Sprache verwenden Empfehlung

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Erinnern Sie sich an die TV-Olympia-Reportage vor einigen Jahren, in der ein Reporter vom Team Jamaika berichtete und dabei Jamaika englisch aussprach? Damit zog der arme Mensch den Unmut von deutschen Sprachpflegern im ganzen Land auf sich herab und ein Sturm der Entrüstung brach regelrecht über ihn herein.

 

Dabei ist das ja echt harmlos verglichen mit denen, die jede Gelegenheit nutzen, immer mehr Anglizismen, ja teilweise die abenteuerlichsten Denglisch-Konstruktionen, einfließen zu lassen, weil......, ja warum eigentlich?

1. Wer Anglizismen verwendet macht einen gebildeten Eindruck.

Einen Dauerlauf machen war gestern - schon seit Jahrenden gehen wir statt dessen joggen oder walken.

Wir wollen im Internet googeln, wenn wir ein neues Fernsehgerät suchen, wir tragen ein cooles Outfit bzw. waren gestern Abend auf einem hippen Event, bei dem sich ein Highlight an das nächste reihte.

Und wollen wir in der Firma vor dem Meeting um 11.00 Uhr noch schnell den Content updaten, damit wir bei der Präsentation später nicht failen, macht dies einen ungeheuer gebildeten, professionellen Eindruck im Kollegenkreis und beim Chef. Erst recht, wenn wir danach das Absaven nicht vergessen!

Gebildet scheinen auch all diejenigen zu sein, die in fließendem Englisch einen „Coffee to go“ im Café an der Ecke bestellen.

Aber Vorsicht:

Wer die englische Bezeichnung für den Kaffee zum Mitnehmen mangels Englischkenntnisse auf gut Deutsch ausspricht und einen Kaffee Togo bestellt, kann sich schnell lächerlich machen – auch wenn er sich insgeheim fragen mag, was das Getränk wohl mit dem gleichnamigen Land zu tun hat.

Und für diejenigen, die meinen, dass heutzutage niemand mehr einen Kaffee Togo bestellt, sei gesagt: Ich hatte bis vor wenigen Jahren einen Coffeeshop und weiß aus eigener Erfahrung, dass diese Bestellung tatsächlich häufiger aufgegeben wurde. Da ich dort immer noch Kundin bin, höre ich an der Kasse auch heute noch Menschen, die mehr oder weniger leise staunend einen Kaffee Togo bestellen.

2. Anglizismen schaffen eine vermeintlich höhere Wertigkeit

Facility Manger statt Hausmeister, Human Resource Manager statt Personaler, Purchasing Manager statt Einkäufer, Trainer statt Übungsleiter, sagen Sie selbst: Die englischen Begriffe hören sich doch gleich viel bedeutsamer an, oder?

Selbst ganz banale Tätigkeiten wie einkaufen hören sich elitärer an, wenn wir statt dessen auf gut Denglisch shoppen gehen. Das geht so weit, dass in der deutschen Sprache etablierte Anglizismen wie Trainer durch neue, flottere Anglizismen wie der Coach ersetzt wurden.

Haben Anglizismen also häufig nur die Funktion, eine Tätigkeit oder eine Sache künstlich aufzublähen?

3. Anglizismen machen Kommunikation einfacher in Zeiten der Globalisierung

Die Welt ist durch die Globalisierung näher zusammengerückt. Als Folge davon ist Englisch als führende Wirtschaftssprache mehr und mehr in die deutsche Sprache eingezogen.

Besonders im geschäftlichen und im technischen Bereich haben mittlerweile viele Anglizismen Einzug in den Duden und in unseren Sprachgebrauch gehalten, wie z.B.:

absaven                                     –          abspeichern

Backoffice                                 –           Büro im Hintergrund

Branding                                    –          Entwicklung von Markennamen

Charts                                       –          Hitliste

downloaden                              –          herunterladen

email                                         –         elektronische Post

Event                                         –          Veranstaltung

Facility Management                 –          Hausverwaltung, Betreuung und Überwachung von Gebäuden

Full Service                               –          alles aus einer Hand

Human Resource Department –          Personalabteilung

Key Account Manager              –           Vertriebler, der besonders wichtige Kunden betreut

Marketing                                  –           Absatzwirtschaft

Meeting                                     –           Besprechung

Password                                 –           Kennwort

Payback Karte                          –           Kundenkarte

Shareholder Value                    –           Nutzen, Gewinn oder Rendite der Aktionäre

Soft Skills                                  –          soziale Kompetenzen

Stick                                          –          Stecker

W-LAN                                      –           kabelloses Netz

Workflow                                  –           prozessorientierte Ablauforganisation

Achten Sie spaßeshalber mal darauf, wie häufig Ihnen allein diese Begriffe tagtäglich ganz leicht über die Lippen kommen bzw. wie oft sie Ihnen begegnen!

4. Manche Anglizismen sind tatsächlich flotter wie das entsprechende deutsche Wort

Schauen Sie sich mal die folgende Aufstellung an – links die Anglizismen und rechts die deutsche Übersetzung........

  • Airbag - Prallkissen
  • Pullover - Überzieher
  • Kartoffelchips - getrocknete Kartoffelscheiben
  • CD Player - Kompaktscheibenspieler
  • Cracker - sprödes Kleingebäck
  • Boxer-Shorts - Herrenunterhose mit kurzem Beinteil
  • Jeans - Niethose
  • Scanner - Lichtabtaster
  • Laptop - Klapprechner
  • Mountainbike - Bergfahrrad
  • Public viewing - öffentliches Fußballschauen mit Freunden und Fremden
  • Toastbrot - zum Rösten geeignete Weißbrotscheiben
  • Jetlag - Zeitzonenkater

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht....Für meinen Geschmack mögen die deutschen Übersetzungen dieser Anglizismen ja in einem Comedy-Text ganz passend seinin einem „normalen“ Text hingegen erinnern sie mich ein bisschen an den Sprachgebrauch der früheren DDR. So wie die (lichtertragende) Jahresendzeitflügelfigur, was der frühere offizielle Begriff in der DDR für Weihnachtsengel war, der sich – Gott sei es getrommelt und gepfiffen - im täglichen Sprachgebrauch dort genauso wenig durchgesetzt hat wie hier der Überzieher, die getrockenten Kartoffelscheiben + Co.

4. Anglizismen machen die deutsche Sprache lebendig und flexibel

Dass die deutsche Sprache lebt, zeigt sich darin, dass sie sich der Entwicklung der Zeit anpasst. Dazu gehört, dass sie Wörter, die sich überlebt haben, aus dem Sprachschatz verdrängt. So wie die gute alte Droschke, die aus unserem täglichen Leben so sehr verschwunden ist wie das ihr entsprechende Wort in der deutschen Sprache.

Dazu gehört auch, dass sie Wörter aus anderen Sprachen übernimmt, weil die zu beschreibenden Dinge und Tätigkeiten zu unserem heutigen Leben gehören und es dafür bisher keinen treffenden deutschen Begriff gibt, wie z.B. „Public Viewing“.

Würden wir „Public Viewingauf gut Deutsch ausdrücken, wäre dies nur mit einer wortreichen Umschreibung möglich, und sie müssten Ihren Mann bei der nächsten Fußball-EM fragen, ob sie sich das Endspiel zusammen beim „Öffentlichen Fußballschauen mit Freunden und Fremden“ anschauen wollen. Eine Formulierung, die sich in meinen Ohren sehr umständlich und gestelzt anhört.

5. Denglisch ist „cool“

Neben den klassischen Anglizismen gibt es auch noch die höchst eigenwilligen Denglisch-Konstruktionen, bei denen nicht nur Substantive, sondern auch englische Verben und Adjektive in die deutsche Sprache übernommen und teilweise gebeugt werden.

Nachstehend drei Beispiele, in denen ich typische Denglisch-Konstruktionen einer klassischen deutschen Formulierung gegenübergestellt habe:

  1. Sie trägt eine stylische Bluse – sie trägt eine modische Bluse.
  2. Die Reservierung wurde gecancelt – die Reservierung wurde zückgenommen/aufgehoben.
  3. Er hat das Programm gedownloadet/ downgeloadet – er hat das Programm heruntergeladen.

Tja....also ich finde diese gruseligen Wortschöpfungen wie downgeloadet und upgegradet überflüssig wie ein Kropf, weil sie keinen Mehrwert haben und sowohl die deutsche als auch die englische Sprache verhunzen. Bevor ich solch ein verhunztes Deutsch spreche, bin ich gern "uncool".

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Fallen Ihnen noch andere Gründe ein, warum wir Anglizismen und Denglisch in der deutschen Sprache verwenden? Und wie ist Ihre Meinung dazu?

Lassen Sie es mich wissen in einer email oder auf Facebook – gern auch in einer PN.

Bis dahin eine schöne Zeit!

 

 

 

 

Gelesen 2931 mal Letzte Änderung am Dienstag, 11 August 2015 13:24

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