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Geht nicht – gibt’s nicht!"

Mittwoch, 26 August 2015 11:47

Falsche Rechtschreibung – Sinn oder Unsinn? Empfehlung

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Sie erinnern sich: Kürzlich sprach ich über die mangelhafte Rechtschreibung im Internet am Beispiel des nachstehenden Satzes, den ich im Netz gefunden hatte:

„Warum regen sich soviele Leute im Internet über falsche Rechtschreibung auf?

Damals habe ich meine Meinung kund und zu wissen getan, wie ich grundsätzlich über diese Frage denke. Heute möchte ich fachlich auf diesen Satz eingehen und den Begriff „falsche Rechtschreibung“ etwas näher beleuchten.

 

Was bedeutet (falsche) Rechtschreibung?

Das Wort Rechtschreibung bedeutet richtige Schreibung, richtig schreiben, die Wörter falsch und richtig sind ein Gegensatzpaar. Ergo würde falsche Rechtschreibung also für falsches Richtigschreiben stehen. Hä.., was'n das? Isse nun falsch oder richtig, die Rechtschreibung? Und was soll falsches Richtigschreiben überhaupt sein?

Zugegeben: Es mag sein, dass ich von Berufs wegen in solchen Fragen etwas pingelig bin. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die mich ob dieser Korrektur der Schreibweise schlicht als Erbsenzählerin bezeichnen. Oder die mir sagen, dass der Begriff falsche Rechtschreibung häufig zu hören und zu lesen sei. Da könne es ja nicht so falsch sein, ihn zu verwenden.

Fakt ist jedoch, dass korrektes Deutsch von richtiger und falscher Schreibweise spricht, oder eben von Rechtschreibung bzw. Falschschreibung. In obigem Beispiel hätte ich mir auch noch die Formulierung mangelhafte Rechtschreibung gefallen lassen. Aber

….falsche Rechtschreibung gibt es nicht!

Zwar können wir auch in renommierten Zeitungen und Zeitschriften immer wieder von falscher Rechtschreibung lesen, genauso wie im Strafgesetzbuch von der Vorspiegelung falscher Tatsachen die Rede ist. Dabei handelt es sich jedoch um eine Wendung, die in doppelter Hinsicht unsinnig ist:

  • Das Substantiv Vorspiegelung enthält bereits die Bedeutung »Täuschung« und schließt die Bedeutung von falsch ein.
  • Das Wort Tatsache schließt die Bedeutung von wahr ein und damit das Attribut falsch aus, weil es keine falschen Tatsachen geben kann.

Trotzdem ist die Wendung Vorspiegelung falscher Tatsachen sprachüblich geworden und wird von den Gerichten, Staatsanwälten und Anwälten immer wieder bemüht, scheinbar ohne dass sich diese Menschen Gedanken machen, welch sprachlicher Unsinn dahinter steht. Dass auch das Strafgesetzbuch genau davon spricht, scheint Legitimation genug zu sein, die Wendung zu benutzen.

Fazit:

Die deutsche Sprache enthält einige sprachliche Wendungen, die völlig sinnentleert sind. Interessant ist, dass sie von Menschen aus den unterschiedlichsten Bildungskreisen benutzt werden, was offenbar für viele andere - wie so oft im Leben - der Maßstab für richtig und falsch ist.

Das Problem dabei ist, dass diese Wendungen nicht richtig werden, weil viele Menschen die Begriffe verwenden. Genauso wenig, wie Pferdeäpfel jemals zu meinem Lieblingsgericht werden, nur weil Millionen Fliegen sich doch nicht irren können.

Was ich sagen will: Manchnmal ist es besser - auch im sprachlichen Bereich -, wenn wir erst mal drüber nachdenken, was dahinter steht, bevor wir eine Redensart bzw. eine sprachliche Wendung übernehmen – einfach, weil es alle so machen! wink

Sodele, so viel von meiner Seite zum Thema Rechtschreibung!

Haben Sie sich auch schon dabei ertappt, wie Sie die eine oder andere sprachlich Wendung einfach übernommen haben? Oder sind Sie gefeit gegen derlei sprachlichen Unsinn?

Ich bin gespannt, freu' mich auf Ihren Kommentar und wünsche allen eine sonnige Woche!

 

 

 

 

 





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