„Der Mensch steht im
Mittelpunkt unserer Arbeit“

„Der Umgang mit Sprache
ist unsere Leidenschaft

 

Geht nicht – gibt’s nicht!"

Freitag, 03 Januar 2014 15:36

Kurzgeschichte - Neubeginn Empfehlung

geschrieben von
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Wohlig eingekuschelt in einer Decke und im Schein des warmen Kerzenlichts lässt sich Maria Butterplätzchen und Quarkstollen schmecken , mit einem Becher voller dampfenden Kaffee vor der Nase. Wie jedes Jahr, hat Maria die Plätzchen und den Quarkstollen wieder mit viel Spaß nach einem Rezept von Tony's Mutter gebacken. Maria freut sich regelmäßig schon im Herbst darauf, damit wieder zu beginnen. Liebe und Hoffnung sind jedes Mal mit von der Party. Und jedes Jahr macht sie eine extragroße Portion Butterplätzchen. Tony mag die besonders gern. Und Maria will ihn damit überraschen, wenn er dieses Jahr an Weihnachten nach all den Jahren endlich nach Hause kommt........

 

Tage später.......

Weihnachten war nun fast vorbei. Ob sie wollte oder nicht, Maria mußte es nun glauben, dass Tony auch dieses Jahr noch nicht zur Heimkehr bereit war. Die Hoffnung war bei ihr, als es klingelte. Maria öffnete die Tür und sah aus den Augenwinkeln eine alte gebückte Frau in zerlumpten Kleidern. Doch Maria war geblendet von einer lächelnden, glanzvollen, hellen Gestalt, von der eine Wärme ausging, die alles überstrahlte. Vor ihr stand die Liebe. Zärtlich winkte die Liebe Maria zum Lebewohl. „Wir werden uns wieder begegnen“, sagte die Liebe. „ Nur mach Dir keine Hoffnung, dass es hier sein wird. Und es wird nicht der Mensch sein, den Du jetzt noch liebst“. Mit diesen Worten entschwand die Liebe und ließ die alte gebückte Frau mit Maria allein zurück. „Wer bist Du denn“, fragte Maria die gebrechliche Frau. „Lass mich rein“, sagte die Alte. „Ich bin die Traurigkeit, und ich werde Dich ein Stück Deines Weges begleiten“. Und die Traurigkeit blieb eine Zeit bei Maria. An einem sonnigen Tag, nachdem sie sich die letzten Plätzchen schmecken ließ, stand die Traurigkeit auf und sagte, dass sie nun gehen werde. „Du wirst jetzt jemand anderen kennenlernen, der Dich auf Deinem weiteren Weg begleitet. Leb wohl, Maria.“ Mit diesen Worten öffnete die Traurigkeit die Tür und entschwand.

Als Maria die Tür schließen wollte, sah sie in das Gesicht einer lächelnden Frau. „Hallo, ich bin die Tröstung“. Lass mich bei Dir sein, solange Du mich brauchst.“ Maria erzählte nun der Tröstung von ihrer unglücklichen Liebe zu Tony. Dass Tony vor Jahren einen Streit vom Zaun gebrochen hätte und gegangen sei, sie überhaupt keinen Kontakt mehr zueinander hätten und sie gar nicht verstehen würde, was eigentlich geschehen sei. Und davon, wie sehr sie sich schon seit 10 Jahren wünschte, dass Tony endlich heimkommen würde. Sie erzählte von ihren Sehnsüchten und Träumen, dass sie zusammen mit Tony in „ihr gemeinsames Paradies“ fliegen möchte. Und die Tröstung hörte zu.

Eines Tages klingelte es zu später Stunde. Maria öffnete die Tür, und vor ihr stand eine knubbelige kleine Frau. „Hallo, ich bin die Zeit. Die Tröstung hat mich gerufen. Lass mich bitte rein.“ Und die Tröstung erklärte, dass mit Hilfe der Zeit Maria früher oder später ohne die Tröstung zurecht kommen würde. Tatsächlich ging es Maria umso besser, je länger sie mit der Tröstung über ihre Sehnsüchte und Träume sprach.

Die Tröstung verstand Marias Sehnsucht nach Liebe. Sie zeigte Maria auch, dass sie Tony loslassen mußte, um wieder frei zu sein. Denn erst dann könnte die Liebe wieder Platz finden in Marias Herz, sagte die Tröstung. Und sie machte Maria auch ein klein wenig Hoffnung, dass sich dann alles zum Guten wenden würde. „Das versteh ich nicht“, sagte Maria. „Die Liebe hat doch gesagt, dass ich ihr nicht wieder bei meiner alten Liebe begegnen werde.“ Die Tröstung fragte lächelnd: "Ja, ist's denn schon Deine alte Liebe?" Darauf gab Maria keine Antwort.

Einige Wochen später war es soweit. Maria fühlte, dass es an der Zeit war, die Tröstung gehen zu lassen. „Danke, Du hast mir zusammen mit der Zeit sehr geholfen. Mir geht es jetzt viel besser. Und ich weiß, dass es andere Menschen gibt, die Deine Hilfe jetzt dringender benötigen. Also, leb wohl, liebe Tröstung.“ Maria brachte die Tröstung an die Tür. Gerade wollte sie die Tür wieder schließen, als sie hinter sich eine vertraute Stimme hörte. „Du hast sie also gehen lassen“. Maria drehte sich um und sah in das vertraute, freundliche Gesicht der Weisheit. „Ja, rief Maria voller Freude. „Mir geht’s wieder gut, und ich habe die Tröstung gehen lassen, damit sie anderen Menschen zur Seite stehen kann. Und ganz ehrlich: Jetzt, nachdem die Tröstung weg ist, fühle ich mich noch wohler.“

 „Das kann ich gut verstehen“, sagte die Weisheit. „Doch die, die Du hast gehen lassen, war nicht die Tröstung“. „Das versteh ich nicht“, sagte Maria. „Wer war es dann?“ Die Weisheit lächelte und sagte: „Die, die von Dir ging, war die Hoffnung.....“

Vielleicht kommt dem einen oder anderen die Geschichte bekannt vor. Ursprünglich habe ich die Geschichte vor vielen Jahren für meinen Freund Andreas geschrieben, nachdem ich die Beziehung mit ihm beendet hatte.  Ich habe ihm diese Geschichte zu Weihnachten geschenkt, weil ich ihm damit Hoffnung machen wollte, dass auch er eines Tages wieder der Liebe begegnen würde.

 

Gabriele Seifarth

 

 

 

Gelesen 3804 mal Letzte Änderung am Freitag, 31 Januar 2014 16:01

040 - 74 39 08 03 

info@die-textbienen.de

Wir bei Facebook