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Samstag, 16 Mai 2015 16:12

Zeichensetzung + Co. – mal heiter betrachtet Empfehlung

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Zeichensetzung + Co. – mal heiter betrachtet

 

Kennen Sie das: Sie fühlen sich in der deutschen Sprache sattelfest! Zeichensetzung, Rechtschreibung + Co. machen Ihnen keine Probleme, so viel steht fest. Davon waren Sie überzeugt, bis Ihre Freundin am Wochenende die ersten Kapitel Ihres neuen Buches gelesen hatte.

 

Okay, das eine oder andere Komma, das sie moniert hatte, haben Sie einfach übersehen, nachdem Sie den Text schon 1000 Mal durchgelesen hatten – das ist so wie mit dem Wald, den man vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Aber dann hatte Ihre Freundin auch gemeint, im 2. Kapitel auf der 3. Seite in der vorletzten Zeile wäre ein Doppelpunkt besser als der von Ihnen gewählte Gedankenstrich. Und so weiter – und das waren weiß der Himmel nicht die beiden einzigen Stellen, die sie in Sachen Zeichensetzung und Rechtschreibung anders gemacht hätte. Ehrlich gesagt, Sie waren ganz schön genervt ob der Krittelei Ihrer Freundin................

Dabei ist Ihre Freundin doch gar keine Erbsenzählerin. Und obendrein findet sie Ihr Buch richtig gelungen. Nur, es ist ihr auch gelungen, mit ihren Kommentaren an Ihrer bisherigen Überzeugung, im 1 x 1 der deutschen Sprache 100 % sattelfest zu sein, leise Zweifel zu säen. Plötzlich fragen Sie sich, ob an den Bemerkungen Ihrer Freundin doch etwas dran ist. Fragen, wie „Sollte ich diesen Satzteil wirklich besser in Gedankenstriche setzen statt mit Kommata abzutrennen? schleichen sich immer wieder in Ihre Gedanken, und das, obwohl Sie doch so sicher waren, dass............

Komma oder Gedankenstrich?

An dieser Stelle haben Sie vier Möglichkeiten:

  • Sie lassen sich von Ihrer Freundin nicht wuschig machen und alles so, wie es ist.

  • Sie fragen sich verärgert, warum in Deutschland alles so kompliziert sein muss. Als ob Sie keine anderen Sorgen hätten. Und Sie verlieren sich darüber in stundenlanger Diskussion mit einer Kollegin in einem online Autoren-Forum, die genauso genervt ist wie Sie.

  • Sie fragen eine der beiden grauen Rechtschreib-Eminenzen Duden und DIN 5008, was die so zu den Zweifelsfällen sagen, und machen sich dort schlau.

  • Sie beauftragen eine Textagentur damit, nötige Korrekturen bei Zeichensetzung, Rechtschreibung und Grammatik vorzunehmen und die dadurch gewonnene Zeit zu nutzen, um an neuen Büchern zu schreiben.

Klar, mir als Texterin ist es natürlich am liebsten, wenn Sie mich in solchen Zweifelsfragen beauftragen. Schließlich verdiene ich damit mein Geld, alle bestehenden Zweifel in Sachen Zeichensetzung, Rechtschreibung und Grammatik auszuräumen. Und glauben Sie mir: Dass Sie sich in diesen Fragen im einen oder anderen Fall unsicher fühlen, kann ich gut nachvollziehen. Denn selbst ich als Fachfrau finde die mehr oder wenige regelmäßigen Regelungen in der deutschen Sprache manchmal echt zum Haare raufen.

Zeichensetzung – zum Weinen oder Lachen?

Ich halte es in solchen Fällen mit dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum , der seiner 1909 erschienenen Geschichte „Yankeedoodle-Fahrt und andere Reisegeschichten“ die Worte vorangestellt hat: Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und immer, wenn bei meiner Arbeit meine Gelassenheit gefragt, aber gerade nicht abrufbar ist, denke ich an das heitere Gedicht von Christian Morgenstern „Im Reich der Interpunktionen“. Und meistens dauert es nicht lange, bis ich es entspannt und vergnügt wieder mit jedem Komma aufnehme.

 

Im Reich der Interpunktionen

Im Reich der Interpunktionen
nicht fürder goldner Friede prunkt:

 

Die Semikolons werden Drohnen
genannt von Beistrich und von Punkt.

 

Es bildet sich zur selben Stund
ein Antisemikolonbund.

 

Die einzigen, die stumm entweichen
(wie immer), sind die Fragezeichen.

 

Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern

 

und setzt die so gefangnen Wesen
noch obendrein in Parenthesen.

 

Das Minuszeichen naht, und – schwapp!
da zieht es sie vom Leben ab.

 

Kopfschüttelnd blicken auf die Leichen
die heimgekehrten Fragezeichen.

 

Doch, wehe! neuer Kampf sich schürzt:
Gedankenstrich auf Komma stürzt –

 

und fährt ihm schneidend durch den Hals,
bis dieser gleich – und ebenfalls

 

(wie jener mörderisch bezweckt)
als Strichpunkt das Gefild bedeckt! ...

 

Stumm trägt man auf den Totengarten
die Semikolons beider Arten.

 

Was übrig von Gedankenstrichen,
kommt schwarz und schweigsam nachgeschlichen.

 

Das Ausrufszeichen hält die Predigt;
das Kolon dient ihm als Adjunkt.

 

Dann, jeder Kommaform entledigt,
stapft heimwärts man, Strich, Punkt, Strich, Punkt .

Christian Morgenstern


So, und nachdem Sie jetzt hoffentlich auch ein fröhliches Grinsen im Gesicht haben: Womit haben Sie in der deutschen Sprache immer wieder mal Schwierigkeiten?

Senden Sie mir 'doch ne mail mit Ihrer Frage, und wer weiß, vielleicht habe ich mir ja im Laufe der Jahre eine Eselsbrücke gebaut, die auch Ihnen künftig das Leben erleichtern wird.

Gelesen 2635 mal Letzte Änderung am Freitag, 12 Juni 2015 22:48

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